Agility Obedience VPG THS

Obedience

English Sports for English Sheepdogs

Was ist denn das nun schon wieder, werden sich viele Fragen: Obedience! Wörtlich übersetzt heißt es eigentlich nur Gehorsam – also auf gut deutsch: englische Unterordnung. Als hätten wir hier in Deutschland nicht genügend Unterordnungsprüfungen! Im Prinzip ja, und doch umfasst Obedience einen Bereich im Hundesport, der in Deutschland nicht abgedeckt ist. Wird Agility oft mit dem Springreiten verglichen, so bietet sich für Obedience durchaus der Vergleich mit dem Dressurreiten an. Es wird von Herr und Hund höchste Präzision und Konzentration gefordert, dabei soll der Hund freudig und willig mitarbeiten und mit seinem Hundeführer beständig Blickkontakt halten, Kadavergehorsam ist nicht nur verpönt, er führt auf Wettkämpfen auch unweigerlich zu Punktabzügen.

Insgesamt besteht Obedience aus verschiedenen Einzelübungen, die bei einem Wettkampf mehr oder weniger willkürlich aneinander gereiht werden, wobei sich mit der Höhe der Prüfungsstufe natürlich auch der Schwierigkeitsgrad und die Anforderungen erhöhen.
Hier die Einzeldisziplinen im Überblick:

Schau!

Augenkontakt zum Hundeführer als Grundübung

  • Fuß-Arbeit mit verschiedenen Laufgeschwindigkeiten, Wendungen und Kehrtwendungen mit und ohne Leine; es gibt jedoch kein festes Schema, sondern der Laufweg ist in jeder Prüfung anders und wird vom sog. Ring-Steward angesagt.
  • Platz, Sitz und Steh aus der Bewegung mit Abrufen oder Abholen.
  • Abrufen aus dem Sitz und Platz, in den höheren Stufen muss der Hund beim Herankommen nochmals mit Platz oder Steh anhalten.
  • Bleibübungen im Sitz, Platz und Steh mit dem Hundeführer in oder außer Sicht; diese Übungen werden in der Gruppe geprüft.
  • Bringen eines Gegenstandes, in höheren Stufen auf Anweisung, d. h. es liegen mehrere Gegenstände aus und der Hund muss einen bestimmten bringen.
  • Freisprung über eine Hürde, in höheren Stufen in Verbindung mit Bringen.
  • Voraussenden, in höheren Stufen in einen markierten Bereich oder/und mit Richtungsänderung.
  • Distanzkontrolle: Der Hund befindet sich in zwanzig Schritt Entfernung zum Hundeführer und hat auf dessen Anweisung seine Position mehrmals in Platz, Sitz und Steh zu ändern.
  • Geruchsidentifizierung: Der Hund muss einen Gegenstand mit dem Geruch des Hundeführers aus einer Gruppe von neutralen Gegenständen herauszufinden und dem Hundeführer bringen.

 
Hier wird "ZZ" neben ihrer Leine abgelegt. Der HF entfernt sich, ruft den Hund zu sich und schickt ihn dann zur Leine zurück, wo sich der Hund selbständig hinlegen soll.

Doch, wie schon oben gesagt, nützt es nichts, wenn der Hund zwar alle Übungen manierlich ausführt, aber neben seinem Hundeführer unaufmerksam und freudlos einhertrottet. Dies will man auf Wettkämpfen nicht sehen und wird mit schlechten Bewertungen geahndet.

Nun ist Obedience an und für sich keine Ausbildungsmethode, sondern eine Hundesportart. Doch gerade weil das Mitarbeiten-Wollen des Hundes so wichtig ist und genau das nicht erzwungen werden kann, ist die Ausbildung für Obedience mit positiven und motivierenden Methoden am sinnvollsten. Und gerade bei einem OES ist dieser Weg der einzig Erfolg versprechende, denn Druck lässt einen OES auf stur schalten und er verweigert jegliche Arbeit. Ein Bobtail jedoch, der in seinem Tun einen Sinn sieht, nämlich weil er sich damit ein Gutti, eine Runde Schmusen oder ein Spiel mit seinem Lieblingsball verdienen kann, wird mit Begeisterung mitmachen und ist zu allem bereit. Als angenehmer Nebeneffekt gibt das Arbeiten mit einem Hund, der will ... will ... will, auch dem Hundeführer eine große Befriedigung, denn man fühlt förmlich wie man als Team zusammenwächst. Ganz abgesehen davon, dass das tägliche Zusammenleben mit einem Hund, der den Umgang mit seinem Menschen als so positiv erlebt und körperlich und geistig beschäftigt wird, natürlich wesentlich angenehmer ist.

Auf einem Seminar machte uns Angela White mit einer Lehrmethode vertraut, bei der der Hund in kleinen Schritten lernt; ihm immer soviel wie nötig und so wenig wie möglich geholfen wird, die Übung richtig zu machen, somit gelobt und belohnt zu werden und so seine Motivation erhalten bleibt, bzw. gesteigert wird. Charakteristisch ist, dass alle Übungen in kleine Einzelteile zerlegt werden, und erst wenn dem Hund tatsächlich klar ist, was er tun soll, wird die Übung als Ganzes zusammengesetzt. Doch auch Obedience-Champions üben diese Einzelphasen immer wieder, als hätte sie der Hund noch nie zuvor getan.

Natürlich probierten wir im Praxisteil des Seminars unter Angela White's Anleitung diese Dinge sofort aus, und konnten uns davon überzeugen, dass es auch für den Hundeführer ausgesprochen motivierend ist, in kleinen Schritten vorzugehen, weil man selbst ja auch jedes Mal Erfolg hat, wenn der Hund es richtig macht - man hatte es ihm also richtig gezeigt! Allerdings lernten wir auch die Wichtigkeit des richtigen Timings kennen, denn kam die Belohnung zu spät oder zu früh, verknüpfte der Hund womöglich etwas ganz anderes damit. Er lernt durchaus etwas, nur nicht das, was wir wollten. Hatten sich solche Fehler eingeschlichen und wir fragten nach einer Korrektur-Möglichkeit, bekamen wir regelmäßig zur Antwort: "Fang noch mal ganz von vorne an und baue die Übung von unten auf – ohne den Fehler!".

Wir übten uns also in diesen Tagen voller Information, neuer Denkansätze und Wiederholung bekannter Tatsachen, die eigentlich jeder weiß und trotzdem oft nicht beachtet, in der Kunst, Motivationsmittel im rechten Moment einzusetzen und im rechten Moment zurückzuhalten, um unseren Hunden das Wollen zu geben, uns zu gefallen und mit uns etwas zu tun. Und die Ergebnisse überzeugten mich.

ß Der erste Schritt zum Apportieren -
das Bringholz ins Maul nehmen!

So soll das Endergebnis ausschauen.
ß

à
Sitz und Schau -
das kann sogar
schon ein Welpe

Wen ich jetzt neugierig auf Obedience gemacht habe, den muss ich nun fast wieder enttäuschen. Denn Obedience steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen, unsere Nachbarländer wie Dänemark, Schweiz, Österreich sind da schon weiter; allerdings wird auch bei uns schon fleißig an einer Prüfungsordnung gearbeitet. Leider gibt es auch nur sehr wenige Vereine die Obedience anbieten, auch in unserem Verein sind wir Interessierten in einem Stadium des "Learning by Doing" mit all seinen Tücken und Chancen. Doch je größer das Interesse, je mehr Nachfragen, desto schneller wird die Sache Obedience voranschreiten, denn aufzuhalten ist sie nicht mehr.

Stand dieses Artikels 2000 - inzwischen hat sich viel getan
© Sylvia Tropp

 


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